Diplomarbeit

Kategorie: Design, Editorial Design, Illustration

Akustik sehen — Rhapsody in Blue
Eine visuelle Untersuchung



In dem Buch Akustik sehen — Rhapsody in Blue wird die Entstehung, Wahrnehmung und Wirkung von Akustik bzw. Musik sowie deren visuelle Interpretation thematisiert. Ziel war es, Musik in ihre strukturellen Bestandteile zu zerlegen und visuell zu untersuchen. Musik sichtbar zu machen, grafisch zu übersetzen und zu analysieren sind Hauptbestandteile dieser Arbeit. Dieses Buch bietet die Chance, Musik aus einem anderen Blickwinkel und in visuell neuer Form zu betrachten. Neben den Experimenten in der Visualisierung der Musik von George Gershwin wurde das Musikstück Rhapsody in Blue grafisch übersetzt und somit über dieses interaktiv — nutzbare Buch sichtbar gemacht. Der Betrachter hat die Möglichkeit das Musikstück taktweise zu verfolgen und erhält dabei Informationen zur Komposition. Mittels einem QR Code und der jeweiligen Minutenangabe erhält man den audiovisuellen Mehrwert. Die Grafiken können selbst zu einem optischen Instrument werden — das gespielt werden möchte, indem das Notenlineal verwendet wird, das ebenso als Lesezeichen dient.

Grundlage der Grafiken bilden Notenlinien. Diese wurden über eine aus der Audio- exportierten xml-Datei des Musikstücks mittels Processing, der Programmiersprache Java generiert. Somit besteht eine präzise Grundlage zur Weiterentwicklung der Grafik. Eine mathematisch analytische Basis, die nicht auf freikünstlerischen Interpretationen basiert. Diese Linien wurden nach Paramentern wie Dynamik, Rhythmus und Dramaturgie modifiziert. Wie auch vom Komponisten intendiert taucht der Betrachter in die Großstadt New York im Jahre 1924 ein. Das Layout-Raster bezieht sich auf den 4/4 Takt analog des Musikstücks. Das Format 30×30 cm bezieht sich auf das Schallplatten Format LP.

Hier geht´s zum Film des Projekts.





462 Takte, 18 Meter Papier
Die Visualisierung des Musikstücks im zweiten Teil des Buches wurde über einen Zickzackfalz realisiert.
Die Gesamtlänge beträgt 18 Meter.


Rhapsody in Blue wurde 1924 vom Amerikanischen Broadwaykomponisten George Gershwin komponiert. Das Stück verbindet Jazz und konzertante Sinfonik, und gibt den Amerikanischen Zeitgeist der zwanziger Jahre wieder. Alle 15 Instrumente erhalten eine Farbzuordnung. Farben der Stadt im Jahr 1924. Asphalt und Betonfassaden (Klavier), dunkle-rotbraune Ziegel (Saxophon), das warme Gelb der Taxis (Klarinette), Grün des Central Parks (Streicher), Metallfassaden vom Chrisler Building oder das Wasser vom Reservoir See (Tuba).


Buchkonzept
Das Buch wird zunächst durch einen Schuber verpackt und geschützt. Wie auch bei einem Instrument muss dieses zuerst ausgepackt werden, bevor es gespielt werden kann. Der Schuber wurde zusätzlich verkürzt um auch hier das Thema Strenge und Improvisation darzustellen. Die Graupappe und die Leinenstruktur erzeugen ebenfalls den Kontrast: Klassik und Jazz. Das Buch soll sich, wie auch das Musikstück von anderen abheben.

 

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Dann kommt die „Seele“ der Musik, das Subjektive dazu.
Das, was Musik beim Hörer bewirken kann — und was der Komponist intendiert…
Die Themen der Rhapsody in Blue werden mit Amerika assoziiert. Es beginnt mit dem Aufschrei der Klarinette, man wird in die Stadt hereingeführt, der Blues bildet die Eröffnung. Es geht zum Trubel am Broadway, in die Jazzclubs, Storyville, New Orleans. Dann wird es fein, elegant mit dem Klaviersolo. Es geht in den Stadtteil Manhattan, die Carnegie Hall, dann zum Central Park den die Streicher bilden mit dem Reservoir See. Es wird Nacht, Mondschein, und langsam wird es wieder hecktisch in der Stadt. Der Verkehr und Trubel baut sich langsam auf und die Stadt wacht auf. Der gewaltige Sonnenaufgang, es wird heller bis hin zum Finale in der Coda, dem Schlussteil.

Bildmarke
Die Bildmarke wurde aus original-Bestandteilen des Musikstücks entwickelt. Da hier das Klavier eine prägende Rolle spielt wurden Elemente aus Takt 195 und 196, dem Klavier-Solo zur Erstellung verwendet.

Medium
In visuell neuer Form: Buch. Das Medium wurde gewählt, um eine neue Betrachtungsweise auf die Musikvisualisierung zu ermöglichen. Der Betrachter ist unabhängig vom zeitlichen Ablauf, er hat die Möglichkeit vor und zurück zu „springen“, und es wird erlebbar durch die Interaktivität mit dem Notenlineal. Durch das lineare aufklappen der Seiten ist es Takt für Takt eine Entdeckung, fast als wäre man selbst Dirigent des Musikstücks.

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reddot Award 2017 – Best of the Best
Auszeichnung beim ADC Wettbewerb 2017

Diplomjahrgang 2016
Schule für Gestaltung, Ravensburg
Dozent: Georg Engels